Eine Chronologie

Die Breitenseer Lichtspiele blicken auf eine lange Geschichte zurück. Als Zeltkino gegründet gelten sie heute als ältestes Vorstadtkino von Wien und sind schon allein aufgrund ihrer ursprünglichen Holzbestuhlung einzigartig in ihrer Art. Hier befindet sich die letzte Filmprojektionsanlage der Wiener Firma Friedl-Chaloupka. Es bestehen große Bemühungen trotz aller Herausforderungen, diesen besonderen Ort zu bewahren.

Ein großer Dank gilt der Familie, den engen Freunden, Unterstützern und Besuchern.

1900-10er

  • 1905 Gründung eines Zeltkinos von Theresia und Eduard Guggenberger
    Mit diesem Zeltkino tingeln sie von der Josefstadt von Bauplatz zu Bauplatz in die Vororte Wiens. Als sie ihr Zelt auf dem Bauplatz (damals) 1130 Wien, Breitenseerstraße 43 aufstellen, erwerben sie eine Wohnung im neu errichteten Hause Breitenseerstraße 21/15, beenden ihr Zeltkinodasein und verlegen das Kino in das Haus, in dem sie wohnen.
  • 1909 fester Sitz im neu errichteten Haus Breitenseerstraße 21 und Annahme des Namens “BREITENSEER KINO”
  • 1911 Verkauf des Kinos an Herrn Heinrich Grün. Das Ehepaar Guggenberger übersiedelt nach Hainburg. Heinrich und Anna Wolfschütz-Grün ziehen in die Wohnung Breitenseerstraße 23a/1/5-6.
  • Nach dem Tode von Herrn Grün übernimmt seine Witwe Anna Wolfschütz-Grün die Leitung des Kinos.
  • 1914 Umbau des Kinos. Nun 118 Sitzplätze.
  • 1916 Umbau und Erhöhung der Sitzanzahl auf 168
  • 1919 Wegen baulicher Mängel soll das Kino geschlossen und in die Hütteldorferstraße 105 verlegt werden, jedoch kommt es nicht dazu.

1920-30er

  • 1924 Erhöhung der Platzanzahl auf 211
  • 1930 Es laufen letztmalig Stummfilme, unter anderem: ”Eine schamlose Frau” mit Greta Garbo, “Wenn Du einmal Dein Herz verschenkst” mit Lilian Harvey, “Frau im Mond” mit Willy Fritsch, “Die Frau, nach der man sich sehnt” (Erstaufführung 13.Bezirk!)
  • 1930 von Mitte Juli bis Mitte August Einbau einer Tonanlage
  • 1930 Am 15.August Wiedereröffnung unter dem Namen “Breitenseer – Ton – Kino”. Viele Uraufführungen von Sprach- und Tonfilmen.
  • 1934 Reduzierung der Sitzplatzanzahl auf 206
  • 1938 Nach dem Tode von Heinrich Grün im Jänner des Jahres wird seine Witwe Anna Wolfschütz (ehem. Grün, geb. Pollak) alleinige Inhaberin der Konzession.
  • 1939 Es besteht die Auflage den zu „fremdländisch“ klingenden Begriff „Kino“ gegen „Lichtspiele“ oder „Filmtheater“ auszuwechseln oder einfach wegzulassen. Frau Wolfschütz entscheidet sich für die Umbenennung in „Breitenseer Lichtspiele“ und lässt einen neuen Leuchtschriftzug gestalten, der noch heute die Außenfassade ziert.
  • 1939 die Anzahl der Kinos in Wien erreicht mit 222 einen bis heute nicht mehr da gewesenen Höchstbestand, die Breitenseer Lichtspiele sind eines davon. Insgesamt sind seit der ersten öffentlichen Kinovorführung 1896 an die 400 Kinos in Wien belegt.

1940-50er

  • 1945 wegen des Krieges kurz geschlossen
  • 1945 Am 24. April Wiedereröffnung der Breitenseer Lichtspiele unter öffentlicher Verwaltung wegen der NSDAP-Mitgliedschaft von Anna Wolfschütz. Franz Navratil wird von 22. Juni – 30. September provisorischer Leiter. Am 1. Oktober wird das Kino dem öffentlichen Verwalter Dr. Alfred Migsch übergeben. Später wird das Kino verwaltet von der kommissarischen Leitung der Kinobetriebs-, Filmverleih- und Filmproduktionsgesellschaft in 1060 Wien, Gumpendorferstraße 63, vertreten durch Dr. Julius Primost. Die Leitung des Kinos übernimmt ab 22. Juni Frau Margarete Navratil, wohnhaft 1140 Wien, Missinsdorfergasse 30.
  • 1947 Am 15. Juli erfolgt die “Rückgabe” des Kinos an Frau Anna Wolfschütz.
  • 1953 existierten noch über 200 Kinos in Wien, zahlreiche Bezirks- und Grätzlkinos.
  • 1956 Einbau einer neuen Breitwand von 4,4m x 2,50m und Anschaffung von zwei neuen Projektoren.
  • 1957 Einbau einer neuen Warmluftanlage mit Gasfeuerung.

1960-70er

  • um 1960 Einsetzen des „Kinosterbens“ Die kommenden Jahre gelten als das schwärzeste Kinojahr der österreichischen Kinogeschichte. In diesen Jahren schließt ein Drittel der heimischen Kinos. Als Hauptgrund werden steigende Verbreitung von Fernsehgeräten und Freizeitgestaltungen genannt. In diese Zeit fällt etwas später auch der Besitzerwechsel der Breitenseer Lichtspiele. Hätten sich keine Interessenten gefunden, hätte auch dieses Kino für immer seine Türen geschlossen.
  • 1962 Umbau des Kinos von Frau Wolfschütz für die Vorführung von Cinemascope-Filmen durch Ausstattung der Projektoren mit Cinemascope-Optiken.
  • 1969 Verkauf der Breitenseer Lichtspiele an Mag. Anna Nitsch-Fitz, Mathematiklehrerin am Gymnasium an der Schmelz. Der Entschluss das Kino zu kaufen besteht darin, dass ihre Großmutter Anita Fitz Inhaberin des Nussdorfer Kinos in 1190 WIEN, Heiligenstädterstraße 161 war. Nach deren Tod erbt der Vater von Mag. Anna Nitsch-Fitz das Kino. Er ist eigentlich praktischer Arzt am Alsergrund, daher führt sie zwei Jahre für ihn das Kino weiter. Der Vater sieht aber keine Zukunft für das Kino, da aus seiner Sicht die Leute vermehrt in Wirtshäuser Fernsehen gehen würden. So wird das Nussdorferkino 1969 schließlich geschlossen. Nach einem kinolosen Sommer stellt Anna Nitsch-Fitz fest, dass sie nicht auf ein Kinoleben verzichten möchte und wird in Breitensee fündig. Das Kino wird von nun an als Liebhabereiobjekt erhalten, die neue Besitzerin arbeitet weiterhin als Lehrerin bis zu ihrer Pensionierung.
  • bis eine Buffettheke eingebaut wird verkauft Anna Nitsch-Fitz Karten und Knabbereien auf einem einfachen Stockerl mit Schachtel, da ihr das alte Tickethäuschen zu eng ist.
  • Aus dem Nussdorferkino werden die Chalupka – Projektoren eingebaut, als auch zwei ehemalige Sitzreihen und die Markise/Leuchtstecktafel, die heute das Gesamtbild des Kinos beeinflusst.
  • 1970 Reduzierung der Sitzplatzanzahl für die Dauerkonzession auf 200

1980-90er

  • 1981 Franz ANTEL dreht Teile seines Filmes „Der Bockerer 1.Teil“ im Kino
  • 1982 Peter PATZAK dreht fast den ganzen Film „Phönix an der Ecke“ im Kino und baut dazu Teile des Kinos in eine Bar um.
  • 1984 Reduktion der Sitzplatzanzahl auf 168 (wie 1916).
  • in dieser Zeit gibt es bereits 9 Bezirke in Wien ohne Kino. In den anderen Bezirken gibt es 5 mit nurmehr jeweils einem Kino.
  • 1993 Einbau einer neuen Tonanlage und einer neuen Leinwand mit Unterstützung von “Hundertjahrekino”
  • 1994 Nicolaus LEYTNER dreht mit Christoph WALTZ einen Großteil seines Filmes „Ein Anfang von etwas“ in der Kabine des Kinos. In den Drehpausen pfegt die Filmcrew gemeinsam mit Anna NITSCH-FITZ Essen zu gehen.
  • 1996 Großes Festprogramm anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Kinos
  • 1998 Im Dezember Einbau einer neuen Heizanlage für Saal und Warteraum
  • 1999 Schließung des Erika-Kinos. Dadurch werden die Breitenseer Lichtspiele das älteste noch bespielte Wiener Kino.

2000er

  • 2001 Reaktivierung des Neonschriftzuges “Lichtspiele”, außen wird das Kino mit der wahrscheinlichen ursprünglichen grünen Farbe gestrichen. Bis dahin ist es außen in Rot und innen in Beige gehalten. Innen wird alles dazu passend neu gestrichen, alle Sessel werden überholt, ein neuer Vorhang gekauft, der auf die 3 Formate: Normalfilm, Breitwand und Cinemascope geöffnet werden kann.
  • 2002 Gereralrenovierung des Kinos mit Hilfe der Investitionsförderung
  • Stummfilmpianist Gerhard Gruber spielt zum ersten Mal in den Breitenseer Lichtspielen. Es folgt eine enge Zusammenarbeit, die bis heute andauern sollte.
  • 2003 Überreichung der Urkunde “2002 von der Stadt Wien ausgezeichnetes Kino”
  • 2004 Neue Stofftapeten im Saal und Streichen der Lamperie, Kauf eines Yamaha Digitalpianos mit Hilfe der Investitionsförderung
  • 2005 Galapremiere anlässlich der Eröffnung der Retrospektive 100 Jahre Breitenseer Lichtspiele und Filme dieser 100 Jahre

ab 2010er

  • 2018 Teile für den Dokumentarfilm „Kino Wien Film“ werden in den Breitenseer Lichtspielen gedreht.
  • 2019 Jubiläumsgala 110 Jahre Breitenseer Lichtspiele am festen Standort in Breitensee und 50 Jahre Kinobetrieb durch Mag. Anna Nitsch-Fitz. Zu sehen ihr Lieblingsfilm La Strada von Federico Fellini.
  • 2020 Logensessel finden in der Kino Welt Wien Ausstellung im Metro Kinokulturhaus ihren Platz
  • 2020 Renovierung des Foyers durch die Nichte Christina Nitsch-Fitz und Team mit der Unterstützung durch die Bezirksvorstehung Penzing

Kontakt

Breitenseer Straße 21
1140 Wien

U3 Hütteldorfer Straße
10er Bim
3 Gehminuten